Blog

Jahresbericht 2024

February 2025 | 6 Minuten zum Lesen

In zehn Jahren Schulfee hat sich einiges verändert - und vieles bleibt relevant. Hören wir aktuelle Stimmen und blicken wir auf die Zukunft.

Schlagworte zu 10 Jahre Schulfee

Als wir vor zehn Jahren das Schulfee-Projekt ins Leben riefen, war es zwar kein befristetes Unterfangen, aber an eine so weit entfernte Zukunft nun auch noch nicht zu denken. Dennoch erscheint es uns rückblickend als unglaublich, wie viel Fahrt dieses Projekt mithin aufgenommen hat, das nicht zu unrecht einmal von unserem leider vor 4 Jahren verstorbenen Partner Solomon Phiri von der Caritas Monze als das erfolgreichste Projekt des ewe e.V. bezeichnet wurde (die Freiwilligendienste außer acht lassend).

Viel hat sich in dieser Zeit getan, anderes blieb konstant. In den Ursprüngen drehte sich alles um Schulen und kritische Jahrgangsstufen. Zehn Jahre später, nachdem die erfreulich veränderte Gesetzgebung zu einem Fokuswechsel im Projekt führte, begleiten uns vermehrt die konkreten Zukunftsfragen der Geförderten, über die reine Schullaufbahn hinaus.

Die schwierige Situation in der ländlichen Southern Province ist eine traurige Konstante. Geprägt von ländlicher Armut, Natur- und Klimakatastrophen, Inflation und einhergehende Knappheit an finanziellen Mitteln für Bildung, bleibt der Schulbesuch oder eine Ausbildung, die neben Gebühren auch Material und Ausstattung erfordern, für viele Menschen ein absoluter Luxus.

Inflation in Sambia Die Inflation in Sambia ist sehr hoch (https://zambia.opendataforafrica.org/ukxlqoc/prices-statistics-2012-2022#)

EUR/ZMW Wechselkurs Bei Projektstart 2014 bekam man für einen Euro noch knapp 8 Kwacha, heute 30 (https://www.exchange-rates.org/converter/eur-zmw)

Gerade im vergangenen Jahr 2024 kam es darüber hinaus zu einer landesweiten Hungersnot in Folge einer langen Dürreperiode. Die Situation war derart ernst, dass einige akute Hilfsprogramme aufgelegt wurden. Auch der ewe startete eine Food Relief Campaign , um die Not zu lindern.

Zum Jahreswechsel 2024/25 hat sich die angespannte Lage durch eine planmäßig verlaufende Regenzeit glücklicherweise ein Stück weit beruhigt.

Absolventen 2024

Bei den 150 geförderten Schülern, sämtlich an der nicht-staatlichen St. Vincent de Paul Community School in Monze, mit der wir seit Jahren zusammenarbeiten, ist die Dankbarkeit spürbar.

Zu allererst möchte ich Ihnen danken, dass Sie in der Lage sind und sich dazu entschieden haben, mich zu unterstützen. Als ich davon erfuhr, dass ich in das Stipendium aufgenommen werde, war ich überglücklich und ich möchte, dass Sie wissen, dass ich fleißg lerne und keinen Unterricht verpasse. Ich schreibe mein 9. Klasse-Examen und bitte Sie, mich auch in der 10. Klasse zu unterstützen.

Thabiso, 9. Klasse

Die spürbaren Verbesserungen, die von einer gesicherten Finanzierung ausgehen, sind uns ebenfalls schon bekannt

Die Förderung hat mir auf so viele Weisen geholfen. Ich kann mich voll auf die Schule konzentrieren und habe mich stark verbessert.

Esther, 9. Klasse

Ich werde nicht aus der Schule fortgeschickt. Mein Vater macht sich weniger Sorgen. Ohne Sie wüsste ich nicht, was aus mir geworden wäre.

Abigail, 7. Klasse

Ich verpasse keinen Unterricht.

Joyce, 7. Klasse

Ich lerne viel, akademisch und praktisch [landwirtschaftlich im Schulgarten].

Lilian, 9. Klasse

Ich würde mich freuen, wenn dieses Stipendium weiter laufen könnte, bis ich die Schule beendet habe.

Joseph, 9. Klasse

Inzwischen haben wir auch die ersten Absolventen aus Ausbildungen und Studiengängen, die uns genauer berichten können.

Alumni

Mein Name ist Martha und das ist meine Geschichte…

Ich komme aus einer kleinen Stadt namens Namwala. Das Leben war nicht leicht, als ich aufwuchs. Aufgezogen von einer alleinerziehenden Mutter ohne festes Einkommen, war schnell klar, dass meine Reise nicht einfach würde. Es war sehr schwer für meine Mutter, auch mir als jüngstem von vier Kindern einen langen Bildungsweg zu finanzieren. In der neunten Klasse wurde ich in das Schulfee-Projekt aufgenommen und bis zur 12. Klasse unterstützt. Auch nach meinem Schulabschluss half mir das Projekt weiter, bezahlte das erste Studienjahr und bot mir die Übernahme von 60% der Kosten bis zu meinem Abschluss an. Heute bin ich eine registrierte Krankenschwester - der Traum eines einfachen Mädchens wurde Wirklichkeit!

Mein größter Erfolg bis heute ist es, diesen Traum nicht aufgegeben zu haben. Für die finanzielle Unterstützung danke ich dem Projekt, am meisten von allen aber meiner Mutter, die niemals aufgab und sich für ihre Kinder aufgeopfert hat.

Ich bin dankbar für das, was aus mir geworden ist und dies ist erst der Beginn meiner Reise!

[…] Neben der finanziellen Hilfe führt auch die Leistungsüberwachung dazu, dass man fleißiger studiert und besser abschneidet. So wird sichergestellt, dass wir hart arbeiten, unsere Ziele erreichen und uns fortentwickeln. Ich bin dankbar für die positiven Auswirkungen, die das Schulfee-Projekt auf meine Karriere und mein persönliches Leben hatte.

Martha, Monze School of Nursing

Meine akademische Laufbahn… Ich beginne damit, wie ich zur Schule ging. Ich wuchs bei meinem Onkel auf, der mich bis zur 8. Klasse unterstützte. Dann wurde es immer schwieriger für ihn, das Geld aufzutreiben. Dennoch machte ich weiter, absolvierte die 9. Klasse-Prüfungen und wurde in Klasse 10 versetzt. Da nun das Geld aufgebraucht war, blieb ich ein Halbjahr zu Hause. Anschließend gelang es meinem Onkel, Geld aufzubringen und ich ging im zweiten Halbjahr wieder zur Schule.

Nun gab es weitere Wohltäter, die bei der Finanzierung der Schulgebühren halfen und ich schaffte es, in 2017 die 12. Klasse in Chikuni mit 13 Punkten abzuschließen.

Aufgrund Geldmangels musste ich dann jedoch vier Jahre zu Hause bleiben und dachte, dass dies das Ende meines Bildungswegs sei. Eines Tages forderte mich mein Großvater auf, eine Ausbildung zur Krankenschwester zu beginnen und er alles bezahlen würde. Tatsächlich wurde ich zur Ausbildung angenommen: Krankenpflege und Hebammenkunde.

Mein Studium begann 2022 und leider verstarb mein Großvater, bevor ich das zweite Semester erreichte. Ich war niedergeschlagen und dachte daran, abzubrechen, als eine Freundin, der ich von meinen Sorgen berichtete, mich auf [das Projekt] aufmerksam machte. Ich bewarb mich und wurde angenommen und von meinem zweiten Semester an unterstützte. Daher stehe ich nun hier, in meinem dritten Ausbildungsjahr in schicker Hebammenuniform. Das ist unglaublich!

Daher gebe ich nun mein Bestes, Schritt für Schritt meinen Weg zu Ende zu gehen. Sobald ich erfolgreich abschließe, werde ich in der Lage sein, anderen zu helfen und zum Projekt beizutragen. Vielen, vielen Dank!

Cecilia, Monze School of Nursing

Sylvia (Monze Agricultural College) betont die positive Wirkung einer erfolgreichen Karriere auf die ganze Familie und denkt schon daran, ihren eigenen Beitrag zu leisten - wie viele andere Absolventen auch.

[Das Projekt] ermöglicht es vielen, ihre Karriereträume auf dieselbe Weise zu verfolgen, wie es andere schon tun, die keine Hilfe von außen nötig haben. Ich möchte darum bitten bzw. wünsche mir, dass das Projekt fortgesetzt wird, denn es gibt viele bedürftige, aber hervorragende Studierende, die, wenn sie die Chance erhalten, ihren Abschluss zu machen, zur Stütze für ihre ganze Familie werden. […] Ich hoffe, ich werde schnell eine Arbeit finden, damit ich dem Projekt auch etwas zurückgeben kann, sodass weiterhin diejenigen unterstützt werden, die Hilfe benötigen.

Auf die nächsten 10 Jahre

Diese Worte bestärken uns darin, auf dem richtigen Weg zu sein und das Projekt auch mit Schwung in der nächsten Dekade fortzuführen. Mit unseren sambischen Partnern haben wir die nächsten drei Jahre vorgeplant, um den Geförderten Sicherheit zu geben. In gutem Kontakt und regelmäßigem Austausch mit unseren Partnern von der Caritas Monze werden wir mit Ihrer Hilfe auch weiterhin sambischen Jugendlichen eine Chance auf Bildung und Ausbildung ermöglichen.

Danke für Ihre Mithilfe!